Brennholz aus heimischen Wäldern – Wälder viel zu schade zum Verheizen

Pressemitteilung

Aktionsbündnis Waldwende Heidelberg                                                                    

Juli 2022

Volker Ziesling

Der Waldzustand ist dramatisch

Noch nie haben unsere Wälder so gelitten wie derzeit. Dürreperioden, sommerliche Extremtemperaturen und damit verbunden ein struktureller Wassermangel der Wälder haben zu Absterbeprozessen und schweren Schädigungen des Ökosystems Wald geführt. Verschärft wird die dramatische Lage des Waldes durch einen enormen Druck auf die Rohstoffreserve Holz. Im Bereich der Wärmeenergie entsteht ein teilweise irrationaler Run auf Brennholz, obwohl sich die Preise binnen Jahresfrist etwa verdoppelt haben.

Holzverbrennung vs. Waldgesundheit

Die Strategie zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der Waldökosysteme muss eine Erhöhung des Holzvorrates, einschließlich des Totholzanteils und eine Dichthaltung der Waldbestände zur Folge haben. Nur bei Widerherstellung des Waldinnenklimas kann der Wald seine Funktion als große Klimaanlage und als Kohlenstoffspeicher erfüllen.

Die Anforderungen des Waldes und die Gier nach Rohstoffen, insbesondere nach Brennholz stehen sich wie zwei Boxer in der Ringecke gegenüber. Wir können unseren Wald nicht gesunden lassen und ihn gleichzeitig weiter als Rohstofflager strapazieren.

Holzverfeuerung ein Klimakiller

Die Verfeuerung von Holz ist nicht klimaneutral, wie es landläufig kommuniziert wird. Die Verfeuerung von Holz trägt deutlich zum Treibhauseffekt bei, unabhängig davon, ob die Verbrennung in Form von Waldbränden oder am heimischen Kamin erfolgt. Der über Jahrzehnte im Holz angesammelte Kohlenstoff wird mit einem Schlag als das Klimagas CO2 freigesetzt. Holz wächst nur an Holz, daher die von uns bestaunte Jahrringstruktur des Rohstoffes. Verheizen wir diesen Rohstoff, verliert der Wald auf viele Jahrzehnte seine Fähigkeit Kohlenstoff zu binden.

In unseren Wäldern gibt es keinen Rohstoff Holz, der noch frei verfügbar wäre. Mittelfristig müssen wir uns von dieser archaischen Form der Holznutzung vollständig verabschieden. Dabei ist es unerheblich, ob die Verbrennung in kleinen Öfen oder in Biomasse-Heizkraftwerken erfolgt. Selbst das im Rahmen der Kalamitäten angefallene Holz wird dringend im Waldökosystem als Nährstoffreserve, als Startkapital für die nächste Waldgeneration und als Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten dringend benötigt.

Die künstliche Verknappung des Rohstoffes

Der Brennholzboom der vergangenen Wochen zeigt einige Parallelen zur Toilettenpapierkrise. Die vermeintliche Knappheit führt zu Hamsterkäufen, die das Produkt tatsächlich verteuern. Eine kurzfristige Bereitstellung zur Befriedigung der hohen Nachfrage wäre weder möglich, noch sinnvoll. Brennholz sollte mindestens 2 besser, 3 Jahre gelagert und getrocknet werden, damit die Holzfeuchte unter 20 % absinkt. Wird es dennoch vorher verfeuert, steigen Abgaswerte und das Holz verbrennt unter Freisetzung von Feinstaub und dem für den Menschen gefährlichen Gas Kohlenmonoxid.

Erhöhte Waldbrandgefahr durch Totholz?

Ja, es wird immer wieder vorgetragen, das Totschlagargument mit der Waldbrandgefahr. Daher noch ein kurzer Faktencheck zur Auffassung ein aufgeräumter Wald vermindert die Waldbrandgefahr. Es gibt in Mitteleuropa keine Waldbrände, sondern Forstbrände in Nadelwaldbeständen, in denen Baumharze und Terpene fast explosionsartig verbrennen, so immer wieder in den Trockengebieten von Brandenburg. Das absterbende Holz hat noch immer eine Holzfeuchte von 50 bis 60%, auch wenn es noch so trocken aussieht. In intakten Waldökosystemen Mitteleuropas wird die Ausbreitung eines Feuers vom Wald selbst verhindert (anders sieht die Gefahr in den Wäldern der Taiga oder der Mittelmeerregion aus). Das Aufräumen des abgestorbenen Holzes schwächt die Vitalität des Waldes und trägt nicht zu einer höheren Widerstandsfähigkeit gegen Waldbrände bei.

Brennholz aus dem Stadtwald?

Der deutsche Wald definiert sich derzeit neu. Gebietsfremde Nadelbäume verabschieden sich in schnellen Schritten. Durch die starke Auflichtung der Buchenbestände wird auch diese Baumart in Mitleidenschaft gezogen. Das absterbende Holz wird als Startkapital für die nächste Waldgeneration dringend benötigt.

Im Sinne einer Klimastrategie und nach den Anforderungen des Artenschutzes müssen unsere Wälder älter und reicher an Holzvorräten werden. Dies erfordert einen deutlich reduzierten Einschlag gegenüber den bisherigen Hiebssätzen. Es stellt sich somit nicht die Frage, ob zusätzlich Brennholz aus den Waldbeständen bereitgestellt werden kann, sondern die Frage wie der Ausstieg aus der archaischen Nutzung von Holz beschleunigt werden kann. Übergangsweise ist die Bereitstellung aus dem Einschlag gebietsfremder Baumarten Robinie, Roteiche, Traubenkirsche oder Götterbaum denkbar.

Brennholz- keine Lösung für die Wärmekrise

Wie also reagieren auf den vielleicht anstehenden Wärmemangel? Brennholz ist sicher nicht die richtige Antwort auf den entstehenden Mangel. Einsparung des Konsums, Verzicht auf Komfort und der rasche Umstieg auf regenerierbare Wärmequellen sind die einzige Alternative. Wälder viel zu schade zum Verheizen!

Appell von der BundesBürgerInitiative Waldschutz (BBIWS) an die deutsche Politik zum „Tag der Buchenwälder 2022“

Unser Wald-Erbe retten – Jetzt!

Der Weg aus der Krise

Schirmherr Prof. Dr. Hannes Knapp

Stark aufgelichteter, ungeschützt der Sonneneinstrahlung ausgesetzter Buchen-Schirmschlagbestand in Nordhessen

„Deutschland nimmt seine globale Verantwortung für substanzielle Bewahrung unserer Buchen­wälder nicht wahr“ beklagten die BBIWS und mehr als 60 andere Wald- und Naturschutz­organisationen in einem Offenen Brief an die Politik zum „Tag der Buchenwälder“ am 25. Juni 2021.

Seitdem hat sich nichts geändert. Auch 2022 hält die Forstpolitik des Bundes und der Länder fest an einer Forstwirtschaft, die die Holzerzeugung im Buchenlaubwald industrialisiert mit Schwermaschineneinsatz betreibt und am naturfernen Altersklassenwald orientiert. Buchenwälder verlieren dadurch ihre Anpassungsfähigkeit und Resilienz unter den sich rasant verändernden Umweltbedingungen. Anhaltende Trockenheit wird durch die Schädigung und Übernutzung der Buchenwälder verstärkt und Wasserknappheit ist eine Realität, der sich viele Gemeinden in Deutschland bereits stellen müssen.

Der ungebrochen fortschreitende Verlust an Biodiversität ist sowohl in Schutzgebieten, als auch in Buchenwirtschaftswäldern an der Tagesordnung. Wirksame umgesetzte, bundesweite Konzepte zum Erhalt von Struktur- und Artenvielfalt fehlen.

Zum diesjährigen Tag der Buchenwälder am 25.06.2022 hat die Bundesbürgerinitiative Waldschutz (BBIWS) gemeinsam mit der Naturschutzinitiative (NI) und dem Verein Naturschutz und Kunst Lebendige Auen e.V. (NuKLA), sowie Wissenschaftlern, Juristen und Waldexperten einen gemeinsamen Forderungskatalog zur Waldbewirtschaftung in Deutschland formuliert.

Die zukünftige Waldbewirtschaftung muss strikt auf den Erhalt der biologischen Funktionstüchtigkeit des Waldökosystems, insbesondere auf dessen Wasserspeicher-, Klimaregulierungs- und CO2-Senken-Funktion ausgerichtet sein. Es gilt in einem Wettlauf mit wenig verbliebener Zeit, die natürlichen Kräfte des Waldes zu stärken und gesamtgesellschaftlich eine Reduzierung des überbordenden Holzkonsums festzuschreiben.

Die UnterzeichnerInnen dieses Appells fordern die Regierungen und Parlamente auf, die konventionelle Waldpolitik endlich aufzugeben und längst vorliegende, waldökologisch fundierte Erkenntnisse in die Forstwissenschaft, die Bundes- und Landeswaldgesetze und die sogenannte „gute fachliche Praxis“ der Bewirtschafter einzugliedern und damit den Wäldern die Überlebenschance zu bieten, die nicht zuletzt die Menschheit als Existenzgrundlage braucht.

Download des vollständigen Appells mit Unterzeichnern in Druckfassung durch die

NI Naturschutz INITIATIVE  e.V.:

https://www.naturschutz-initiative.de/neuigkeiten/1268-20-06-2022-unser-wald-erbe-retten-jetzt

Quelle: https://www.bundesbuergerinitiative-waldschutz.de/2022/06/24/tag-der-buchenw%C3%A4lder-2022/

Petition „Wälder sind keine Holzfabriken – es reicht!!! Wir Bürger fordern ein neues Bundeswaldgesetz!“ von der BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS) unterschreiben: https://www.change.org/p/wälder-sind-keine-holzfabriken-es-reicht-wir-fordern-ein-neues-bundeswaldgesetz-juliakloeckner-svenjaschulze68

Wasserkonflikt im Darmstädter Westwald

Do. 16. Juni 2022 von 14:00 bis 16:00 Uhr
Trierer Straße 1 (Nordöstlich vom Waldfriedhof, siehe Grafik)

Rund 13.000 Hektar Wald im Hessischen Ried sind von Schäden betroffen. Auch im Darmstädter Westwald leiden viele Bäume unter Trockenstress. Seit Jahren wird um Lösungen gerungen. Denn die Region dient nicht nur der Erholung, sie dient auch der Trinkwasserversorgung der nahen Metropolen. Wer darf wie viel Wasser nutzen? Und wie können Mensch und Natur gleichermaßen versorgt werden?

Das gemeinnützige Recherchezentrum CORRECTIV hat in Hessen zu Konflikten rund um Grundwasser recherchiert.

Die verschiedenen Akteure und weitere Perspektiven auf diesen Konflikt wollen wir nun zusammenbringen, mit Bürgerinnen und Bürgern am Ort des Geschehens. Dazu organisiert CORRECTIV gemeinsam mit Radio Darmstadt einen Westwald-Spaziergang.

Bei diesem gemeinsamen Spaziergang sollen alle zu Wort kommen. Und auch die Fragen der Teilnehmenden auf offene Ohren stoßen.

Wir freuen uns auf das gemeinsame Erlebnis und den Austausch!

Start: nördlich vom Waldfriedhof in Darmstadt, Treffpunkt Parkplatz Blau-Gold-Kasino Ecke Dornheimer Weg/Michaelisstr./Trierer Str.; Nähe Bushaltestelle Darmstadt Moldenhauerweg. In einem Rundgang von etwa 2 km Distanz besuchen wir gemeinsam den Wald.

Der Waldspaziergang findet statt in Kooperation mit CORRECTIV einer gemeinnützigen und unabhängigen Redaktion, die z.B. einen #Faktencheck bei Social Media Einträgen vornimmt (correctiv.org).

Naturnaher Wald nach dem Lübecker Modell

Vortrag von Forstexperte Knut Sturm

Knut Sturm, Förster und Bereichsleiter des Lübecker Stadtwalds, hielt am 22.5.2022 einen äußerst informativen Vortrag über das Konzept des von ihm bewirtschafteten Waldes. Der NABU Seeheim-Jugenheim und das Netzwerk Bergsträßer Waldhatten zu dieser Veranstaltung in die Bürgerhalle Bickenbach eingeladen.

In rund 70 Minuten erläuterte Knut Sturm den etwa 80 interessierten Gästen das Lübecker Konzept, das sein Vorgänger Lutz Fähser vor knapp 30 Jahren entwickelt und zur Anwendung gebracht hat. Die 30-jährige Geschichte ist fundiert mit Daten dokumentiert, die jeden Vortragsrahmen sprengen würden. Knut Sturm gelang es aber, einen Überblick darüber zu vermitteln, der eine eindrückliche Erfolgsgeschichte erzählte.

Zu Beginn des Vortrags ging der Referent zur Einstimmung auf eine Frage ein, die wir ihm vorab gestellt hatten: Wie kann man in einer Gemeinde ein neues Forstwirtschaftsmodell zur Anwendung bringen? Unerlässlich sei dafür, dass Förster und die Mehrheit der BürgerInnen überzeugt davon und gewillt dazu sind – erst dann komme die Politik ins Spiel. Wir sehen das als Ansporn, weiterhin Informations- und Überzeugungsarbeit zu leisten, etwa in Form von fachkundigen Vorträgen wie diesem.

Der Vortrag kann auf unserem Youtube-Kanal unter diesem Link abgerufen werden https://youtu.be/piw3OSBok9w. Die anschließende Diskussion ist hier zu finden: https://youtu.be/y-Wm_eDhMvc

Die wichtigsten Punkte des Vortrags kurz zusammengefasst

Das Lübecker Waldkonzept basiert auf drei Prinzipien:

  • Orientierung an Naturwäldern (Referenzflächen), die basierend auf wissenschaftlichen Studien charakterisiert und erfasst werden
  • Förderung der Naturnähe von Waldbeständen und deren Rahmenbedingungen
  • Weitestmögliche Schonung und nachhaltige Nutzung der Ressource Wald bei größtmöglicher Rücksicht auf alle Waldfunktionen

Diese Grundsätze übertragen sich in sehr konkrete Praktiken und Richtwerte:

  • Rückegassen: Es sollten Abstände zwischen Rückegassen von durchschnittlich 80 Metern angestrebt werden; in Lübeck ist der Durchschnitt derzeit bei 60 Metern. So wird die Bodenverdichtung mit all ihren fatalen Folgen für den Wald auf ein Minimum reduziert. (Zum Vergleich: In den von HessenForst bewirtschafteten Wäldern in unserer Region werden für die für Forstfahrzeuge geschaffenen Gassen Abstände zwischen 20 und 40 Metern angestrebt.)
  • Waldinnenklima: Buchenbestände sind aufgelichtet sehr viel empfindlicher gegen Trockenheit. Geschlossene Kronendächer tragen zu einem feucht-kühlen Waldinnenklima bei, wodurch der Wald Hitze und Trockenphasen besser verkraften kann. Schirmschläge und Durchforstung stören diese Widerstandskräfte gegen den Klimawandel auf lange Zeit.
  • Fressfeinde: Vom Borkenkäfer befallene Fichten enthalten oft noch die Larven ihrer Fressfeinde; sie sollten deswegen als stehendes Totholz im Wald verbleiben – durch Fällen und Heraustransportieren der Fichten vernichtet man hingegen die Fressfeinde des Borkenkäfers.
  • Harvestereinsätze widersprechen den Grundsätzen des Lübecker Modells. Rückearbeiten werden u.a. mit dem Pferd vorgenommen.
  • Eigene Angestellte: Es werden keine Subunternehmer beauftragt. Stattdessen arbeiten ausschließlich eigene Angestellte des Forstbetriebs im Wald, die ihn kennen und eine persönliche Bindung zu ihm haben. [Hier gab es spontanen Applaus vom Publikum]
  • Durchforstung: Dünne Buchen wachsen in dichten Beständen weniger schnell als in lichten Beständen – je dicker die Buchen jedoch werden, desto geringer ist dieser Zusammenhang. Ab einem Durchmesser in Brusthöhe von 30cm macht Durchforstung in Buchenbeständen keinen Sinn mehr, denn wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Buchen dadurch nicht besser wachsen.
  • Das Ökosystem Wald muss in seiner Gesamtheit betrachtet werden und wissenschaftliche Forschungserkenntnisse sollten in die Art der Bewirtschaftung mit einfließen.

Weitere Prinzipien des Lübecker Modells, oft in Abgrenzung zur konventionellen Forstwirtschaft:

  • Starkholzentwicklung, also dicke alte Bäume in naturnahen Dauerwäldern – anstatt junger, schnell wachsender Bäume
  • Ziel ist ein möglichst hoher Holzvorrat – anstatt Zuwächse einzugrenzen, um Wälder einfacher bewirtschaften zu können
  • Weniger Durchforstung, denn „Holz wächst nur an Holz“ – anstatt viel Nutzung mit vermeintlich hohem Zuwachs
  • Der Wald bestimmt die vermarktbaren Produkte – anstatt vom Bedarf des Markts her zu denken und zu wirtschaften

All das rechnet sich auch betriebswirtschaftlich – das belegte Knut Sturm eindrücklich anhand von Betriebsergebnissen der Jahre seit 2010: Der Stadtwald Lübeck hat in diesem Zeitraum durchgehend Gewinne im sechsstelligen Bereich erwirtschaftet.

Knut Sturm hat seine Erkenntnisse auch auf den Bickenbacher Wald bezogen. Er konnte im Vorfeld des Vortrags zusammen mit dem ehemaligen Förster des Stadtwaldes Göttingen, Martin Levin, einen kleinen Spaziergang im Bickenbacher Wald machen und teilte dem Publikum seine Beobachtungen mit: “Das ist hier für mich kein Wald mehr. Der ist ja nicht mehr mal kühl, wenn man hier reingeht. Wenn wir in Lübeck in unsere Wälder reinlaufen, dann läuft man gegen eine Mauer, und zwar gegen eine klimatische Mauer. Das ist hier weg. Wenn man aber in diese kleinen Nester [im Bickenbacher Wald] reingeht, wo die Buche vital war und die Hainbuche und Linde steht, war es kalt, und zwar selbst in diesen “Mikrokleinstdingern”. Was passiert da? Da läuft hier etwas aus dem Ruder. (…) Wenn ich so einen Wald vor der Haustüre hätte, dann würde ich erstmal sagen: 30 Jahre raus.” [spontaner Applaus]

Dem können wir uns nur anschließen und hoffen auf weiteren regen Austausch mit BürgerInnen, Förstern und EntscheidungsträgerInnen an der Bergstraße, für den dieser Vortrag hervorragende Anregungen geliefert hat. Herzlichen Dank noch einmal an Knut Sturm und hoffentlich bis bald!

https://nabu-seeheim.de/naturnaher-wald-nach-dem-luebecker-modell/

Alles wieder gut im Bickenbacher Wald?

Stellungnahme des „NABU Seeheim“ zum Artikel „Fällarbeiten zur Verjüngung – Beim Ortstermin im Bickenbacher Wald werden zahlreiche Vorwürfe des NABU entkräftet“ (Darmstädter Echo am 7.5.2022)

Wahr ist: der forstliche Eingriff im Bickenbacher Wald war naturschutzfachlich wie finanziell ein Desaster, der Gemeinde Bickenbach ist erheblicher Schaden entstanden.

Die selbst für forstwirtschaftliche Laien gut sichtbare Verwüstung im Bickenbacher Wald ist eine Tatsache, die die naturschutzfachlichen Sorgen des NABU wohl begründet und die im PEFC-Bericht bestätigt wird: Der Hauptkritikpunkt des NABU, nämlich die übermäßige Bodenverdichtung, wurde auch durch PEFC als Abweichung kritisiert.

Folgen sind eine massive Verdichtung auf dieser Fläche, die damit verbundene Freilegung des Bodens und Vernichtung des natürlichen Nachwuchses an jungen Bäumen. Die natürliche Waldentwicklung ist hier mindestens um ein Jahrzehnt zurückgeworfen worden, die Bodenverdichtung ist immens und wird bleibend Ertragseinbußen zur Folge haben.

Es gab es eine viel zu hohe Holzentnahme, die sich nicht mit den festgelegten Zielen der Forsteinrichtung Bickenbachs deckt. Letztlich ist auch dies eine Vertragsverletzung des Forstanbieters. Der ohnehin schon stark lückige Bestand hätte keinerlei Auflichtung zur Einleitung der Naturverjüngung gebraucht. Sie fördert lediglich die Vertrocknung und das Auftreten von Neophyten, die in diesen Waldgebieten schon zahlreich vorhanden sind.

Es bleibt zudem rätselhaft, weshalb im Artikel von acht Kritikpunkten gesprochen wird. Der NABU hatte lediglich 4 PEFC-relevante Punkte kritisiert.

Nun könnte man natürlich sagen: Der Schaden ist eingetreten und kann nicht mehr behoben werden.

Was den NABU aber mit Sorge erfüllt, ist nun eher die Tatsache, dass es scheinbar noch viel zu wenig Problembewusstsein bei der Gemeinde Bickenbach und den GemeindevertreterInnen zu geben scheint. Denn deren Pflicht wäre es ja, wenigstens künftige naturschutzfachliche und finanzielle Schäden abzuwenden.

Dazu wäre zunächst die Erkenntnis notwendig, dass man es hier weniger mit Auswirkungen der Klimakrise oder dem Fehlverhalten eines einzelnen Holzwerbers zu tun hat.

Vielmehr erleben wir hier – wie an vielen anderen Stellen im Wald, wo HessenForst als Anbieter forstlicher Leistungen auftritt – generelle Auswirkungen einer forstlichen Praxis, die inzwischen die Existenz der Wälder selbst aufs Spiel setzt.

Es wäre an dieser Stelle geradezu die Pflicht der TrägerInnen gemeindlicher Verantwortung, sich einen Überblick über forstliche Alternativangebote zu verschaffen, sich von unabhängigen ForstwissenschaftlerInnen beraten zu lassen.

Die gute Nachricht: Am 22.5.2022 findet um 16 Uhr im Bürgerhaus Bickenbach ein Vortrag zum Thema statt: „Naturnaher Wald nach dem Lübecker Modell“mit dem international anerkannten Forstexperten Knut Sturm. Wir laden alle herzlich dazu ein, die sich für den Wald verantwortlich fühlen.

Der im Echo-Bericht zitierte Artikel des NABU zu den Details des  PEFC-Audits ist – entgegen den Angaben im Echo-Artikel – weiter im Netz verfügbar unter https://nabu-seeheim.de/anspruch-und-wirklichkeit-waldarbeiten-bei-bickenbach-sind-nicht-mit-richtlinien-des-pefc-standards-vereinbar/.

Zu den Punkten, die PEFC nicht als Abweichung gewertet hat:

  • Habitatbaumauszeichnung: Dass es in Gebieten, in dem es viele sterbende Bäume gibt, nicht möglich war, einen einzigen Biotopbaum für Vögel und andere Tiere auszuzeichen bzw. Bäume zu kennzeichnen, die in naher Zukunft als Habitatbäume in Betracht kommen, ist für uns nicht nachvollziehbar. Die Bewertung durch PEFC erschließt sich uns nicht.
  • Die zahlreichen Fäll- und Rückeschäden vor allem im Unter- und Zwischenstand wurden unserer Ansicht nach bei der Begehung nicht ausreichend berücksichtigt.

https://nabu-seeheim.de/alles-wieder-gut-im-bickenbacher-wald/

Ein Leserbrief von Meike Plößer zum Artikel „Der Weg zum Laubmischwald“ im Darmstädter Echo vom 18.03.2022

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein interessanter Artikel mit spannenden neuen Experimenten seitens der Forstverwaltung.

Waren Sie eigentlich selbst vor Ort? Von systematisch angelegten Rückegassen kann keine Rede sein, außer dass systematisch mal links und rechts von der Gasse in den Bestand hineingefahren wurde. Außerdem wurde die bereits vorhandene Naturverjüngung erheblich zerstört. Herr Hennemann betont, daß durch diese Vorgehensweise Schaden an der vorhandenen Naturverjüngung kontrolliert werden kann. Aber durch genau dieses Vorgehen ist doch erst dieser große Schaden entstanden!

Der Förster spricht von einer Anlage als „Ringverkehr, bei dem die Maschinen im Kreis fahren können“. Ich habe dies bisher nur im Zusammenhang des Befahrungsregimes in Hanglagen (Gebirgsstandorte) mit Hangneigung ab 21 % gelesen. Da ist mir in Bickenbach in Bezug auf den Steigungsgrad wohl etwas entgangen. Könnten Sie das nochmal genauer erörtern, wie das mit dem Kreisverkehr im Wald gemeint ist?

Es ist für mich kaum denkbar, daß so noch ein wirksamer Bodenschutz gewährleistet werden kann.

Warum werden unsere Wälder eigentlich so behandelt? Ich verstehe das wirklich nicht mehr.

Was soll denn dort jetzt in den nächsten Jahren in den immer wärmeren und trockeneren Zeiten (an-)wachsen außer der Brombeere?

Es gibt Experten, die andere Maßnahmen vorschlagen, um den Wald klimastabil zu machen. Es sollten auch vorgeschädigte Bäume unbedingt stehengelassen werden, um genügend Schatten – auch für den „Waldumbau“ – zu bieten. Die nachwachsende Baumgeneration hat sonst kaum Chancen.

Ich wünsche mir sehr, dass noch mehr über alternative Ansätze des Waldmanagements berichtet wird. Die gibt es, und einige Kommunen überdenken derzeit, welchem Dienstleister sie den Wald anvertrauen bzw. haben ihre Meinung diesbezüglich bereits geändert.

Mit freundlichen Grüßen, Meike Plößer_

Fahrrad-Demo an der Bergstraße am Samstag, den 19.03.2022

Mit dem Motto „Wald statt Asphalt, Verkehrswende und Flächenschutz jetzt“ ruft das Aktionsbündnis zu einer Fahrrad-Demo am Samstag, den 19.03.2022 auf. Sie startet um 11:00 Uhr in Heppenheim an der Nibelungenschule und geht über den Bensheimer Bahnhof um ca. 11:30 Uhr nach Bickenbach und wieder zurück nach Heppenheim.

Genaue Fahrtstrecke unter
<https://www.google.de/maps/dir/49.6415344,8.6430073/49.759355,8.6055907/49.7519595,8.608797/49.7435846,8.6082201/“/@49.6981067,8.5968389,12z/data=!4m12!4m11!1m0!1m0!1m0!1m0!1m5!1m1!1s0x4797d976d87c5dbf:0x699705f7084f9e80!2m2!1d8.6449006!2d49.6414944!3e1>

Unterstützt wird die Aktion vom NABU Bergstraße, dem BUND Odenwald, dem ADFC Bergstraße, Attac, FFF Bensheim, dem Regionalbauernverband Starkenburg, dem Netzwerk Bergstraße Mobil und dem Bündnis Mensch und Natur, Rimbach.