{"id":34,"date":"2018-02-27T19:41:05","date_gmt":"2018-02-27T19:41:05","guid":{"rendered":"http:\/\/pro-walderhalt.de\/?page_id=34"},"modified":"2018-02-27T19:41:05","modified_gmt":"2018-02-27T19:41:05","slug":"wissenswertes","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/pro-walderhalt.de\/?page_id=34","title":{"rendered":"Wissenswertes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Manifest zum Wald in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>Die Mitglieder der\u00a0<strong>BundesB\u00fcrgerInitiative WaldSchutz<\/strong>\u00a0beobachten die Entwicklung in den deutschen W\u00e4ldern mit gr\u00f6\u00dfter Besorgnis. Diese Entwicklung wird derzeit gepr\u00e4gt von einer unter dem Deckmantel \u201eNachhaltigkeit\u201c massiv zunehmenden Industrialisierung unserer \u00f6ffentlichen W\u00e4lder. Deren gesellschaftliche Bedeutung als Erholungsort f\u00fcr K\u00f6rper, Geist und Seele, als Lern- und Erfahrungsort wird in diesem fatalen Entwicklungsprozess vollkommen ausgeblendet. Forst- und Holzkonzerne geben die Marschrichtung vor. Die Treuh\u00e4nder der \u00f6ffentlichen W\u00e4lder sind zu Erf\u00fcllungsgehilfen kurzfristiger wirtschaftlicher Interessen geworden. Das kann so nicht weitergehen! Wir B\u00fcrger wollen in Sachen Wald endlich mitreden und mitentscheiden.<\/p>\n<p>Bei der Umsetzung der international verankerten Verpflichtung, die Deutschland speziell zur Sicherung der biologischen Vielfalt eingegangen ist, spielt der Wald als unser gr\u00f6\u00dftes naturnahes Land-\u00d6kosystem eine Schl\u00fcsselrolle. W\u00e4lder sind wichtige Faktoren im Kampf gegen den globalen Artenschwund und Klimawandel, au\u00dferdem unverzichtbar f\u00fcr den Grundwasserschutz und die Naherholung. Wir sind daher aufgefordert, den Wald prim\u00e4r als Lebensraum zu sch\u00fctzen sowie \u00e4u\u00dferst sorgsam und respektvoll mit ihm umzugehen.<\/p>\n<p>Von einer umwelt- und naturgerechten, \u00f6kologisch nachhaltigen Nutzung unserer W\u00e4lder sind wir weit entfernt. Infolgedessen sind unsere W\u00e4lder arm an Baumarten, an Totholz sowie an Alt- und Biotopb\u00e4umen. Ihr nat\u00fcrlicher Stockwerk- und Altersaufbau ist k\u00fcnstlich reduziert, ihre B\u00f6den sind stark ver\u00e4ndert, durch Schadstoffe belastet, durch Stickstoffeintr\u00e4ge \u00fcberd\u00fcngt und mehrfach verdichtet. Insbesondere die Bodenverdichtung unter einem zu dichten R\u00fcckegassennetz\u00a0 f\u00fchrt zur Zerschneidung von Lebensbeziehungen und wirkt sich negativ auf Waldvitalit\u00e4t und Biodiversit\u00e4t aus.<\/p>\n<p>Der Nutzungsdruck hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen und er wird weiter steigen. Der Verteilungskampf um den nachwachsenden Rohstoff Holz hat l\u00e4ngst auch in unseren heimischen W\u00e4ldern begonnen, ablesbar an den stetig steigenden Holzeinschlagmengen.<\/p>\n<p>Wir verbrauchen j\u00e4hrlich weit mehr Holz als unsere W\u00e4lder liefern k\u00f6nnen und versto\u00dfen allein schon dadurch laufend gegen das Nachhaltigkeitsprinzip.<\/p>\n<p>Gleichzeitig nimmt die gesellschaftliche Bedeutung unserer W\u00e4lder als Naturraum, Gen-Pool f\u00fcr Pflanzen, Tiere und Pilze, als Erholungsort und Kohlenstoffsenke zu. Diese wichtigen Gemeinwohlfunktionen stehen derzeit hinter der \u00f6konomischen Nutzung weit zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Daher muss sich ein\u00a0<strong>neues Wald-Bewusstsein<\/strong>\u00a0etablieren und eine\u00a0<strong>neue Waldpolitik<\/strong>\u00a0sofort beginnen. Es ist an der Zeit, dass die Politik endlich aufwacht und die nat\u00fcrliche Entwicklung vor allem unserer \u00f6ffentlichen W\u00e4lder als vordringliche, umweltstrategische Aufgabe sieht und unsere B\u00fcrgerinteressen wahrnimmt. Es ist an der Zeit, dass die Politik den Wald als \u00d6kosystem sch\u00fctzt. Der k\u00fcnstliche Holzackerbau der traditionellen Forstwirtschaft muss beendet, der Nachhaltigkeitsbegriff der Forstwirtschaft zeitgem\u00e4\u00df definiert werden. Die Holz-, Forst- und Jagdlobby darf das \u00d6kosystem Wald nicht l\u00e4nger in zerst\u00f6rerischer Art und Weise ausbeuten. Politiker d\u00fcrfen sich nicht l\u00e4nger von einseitigen Interessen dieser Lobbygruppen blenden und zu deren Handlangern degradieren lassen.<\/p>\n<p>Wir B\u00fcrger erwarten ein klares, eindeutiges Bekenntnis zum Schutz der Gemeinwohlfunktionen, die \u00f6ffentliche (landeseigene und kommunale) W\u00e4lder vorrangig und in vorbildlicher Weise zu erf\u00fcllen haben.<\/p>\n<p><strong>Zur Situation<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2014 wurden die Daten der dritten Bundeswaldinventur (BWI\u00b3) ver\u00f6ffentlicht, die eine wertvolle Grundlage zur Beurteilung des Waldzustands in Deutschland liefern. Eine ehrliche unvoreingenommene Aufarbeitung der BWI\u00b3-Ergebnisse ist von offizieller Seite aber bislang unterblieben. Der tats\u00e4chliche \u00f6kologische Zustand der W\u00e4lder Deutschlands wird permanent sch\u00f6ngerechnet und sch\u00f6ngeredet. Doch die Daten offenbaren eine ern\u00fcchternde Wald-Wirklichkeit.<\/p>\n<p><strong>Naturferne Baumbest\u00e4nde<\/strong><\/p>\n<p>Der deutsche Wald ist strukturell und in seiner Baumartenzusammensetzung ein naturferner Wald. Er besteht zu 54 % aus nicht standortheimischen Nadelb\u00e4umen, wobei wiederum 50 % dieser Nadelbaumfl\u00e4chen aus Monokulturen (\u201eReinbest\u00e4nden\u201c) aufgebaut sind. Die Zusammensetzung der Baumarten entspricht nach Angaben des Bundesamtes f\u00fcr Naturschutz auf 80 % der deutschen Waldfl\u00e4che mehr oder weniger nicht der nat\u00fcrlichen Waldvegetation, die dort ohne Zutun des Menschen von Natur aus wachsen w\u00fcrde. In diesem Zusammenhang von \u201enaturnaher\u201c oder \u201enaturgem\u00e4\u00dfer\u201c Waldwirtschaft zu sprechen, ist eine Farce!<\/p>\n<p><strong>Zu wenig alte W\u00e4lder<\/strong><\/p>\n<p>Der deutsche Wald ist in weiten Teilen ein \u00f6kologisch unreifer Wald. Der Anteil der unter 60-j\u00e4hrigen Baumbest\u00e4nde liegt bei fast 50 % der Gesamtwaldfl\u00e4che. Der Anteil der Baumaltersklasse \u00fcber 160 Jahre erreicht gerade 3 Prozent. Bei dieser Altersklasse handelt es sich um weitgehend abgeerntete, extrem vorratsarme Baumbest\u00e4nde! Das nahezu vollst\u00e4ndige Fehlen von Altersphasen mit fortgeschrittener Waldentwicklung hat fatale Wirkungen auf die biologische Vielfalt unserer W\u00e4lder.<\/p>\n<p><strong>Zu wenig Biotopb\u00e4ume und Totholz<\/strong><\/p>\n<p>Die exzessive Holznutzung in den deutschen W\u00e4ldern verhindert ein ausreichendes Angebot an Biotop- und Totholzstrukturen im Wald.<\/p>\n<p>Im Rahmen der BWI\u00b3 wurden erstmalig so genannte Biotopb\u00e4ume, d. h. B\u00e4ume \u201emit \u00f6kologisch bedeutsamen Merkmalen\u201c (Stammh\u00f6hlen, Bruch- und Faulstellen, Pilzk\u00f6rpern etc.) erfasst. Die Zahl der tats\u00e4chlich durch eine Markierung gesicherten Biotopb\u00e4ume umfasst hochgerechnet rund 982.000 St\u00e4mme. Dies bedeutet: Auf 10 Hektar Wald (alle Eigentumsarten) kommt bundesweit im statistischen Mittel lediglich ein einziger markierter Biotopbaum vor! Naturschutzfachlicher Standard w\u00e4ren mindestens 5 bis 10 solcher Biotopb\u00e4ume auf einem Hektar.<\/p>\n<p>Beim Totholz hat die BWI\u00b3 einen Gesamtvorrat von 20,6 m\u00b3 pro Hektar ermittelt. Allerdings bestehen etwa 70 % dieses Vorrats aus Nadelbaum-Totholz (-das in den letzten Jahren massenweise durch Windwurfkatastrophen angefallen ist!), etwa ein Viertel aus minderwertigen Abfuhrresten und Wurzelst\u00f6cken (als Folge massiver Holzernte-T\u00e4tigkeiten) sowie etwa nur 30 % (= 6,7 m\u00b3 pro Hektar) aus durchmesserstarkem Totholz, das allein f\u00fcr die Sicherung der biologischen Vielfalt bedeutend ist. Der Naturschutz fordert mindestens 30 bis 40 m\u00b3 Totholz dieser Qualit\u00e4t pro Hektar!<\/p>\n<p>Die offiziellen Zahlen belegen: Der von offizieller Seite propagierte so genannte \u201eintegrierte Naturschutz\u201c im Wald ist kl\u00e4glich gescheitert!<\/p>\n<p><strong>Unzureichende Schutzfl\u00e4chen<\/strong><\/p>\n<p>Der Wald in Deutschland ist gegen die Ausw\u00fcchse der modernen, immer intensiver und \u201eindustriem\u00e4\u00dfig\u201c agierenden Forstwirtschaft nicht wirksam gesch\u00fctzt. Selbst in formalrechtlich ausgewiesenen Schutzgebieten wird die so genannte \u201eordnungsgem\u00e4\u00dfe\u201c Forstnutzung toleriert und Naturschutzziele durch Ermessensspielr\u00e4ume der Forstbeh\u00f6rden, durch lasche Bewirtschaftungsstandards und fehlende Kontrollen durch Naturschutzbeh\u00f6rden untergraben. Der Umfang der Waldfl\u00e4che, auf der laut BWI\u00b3 eine Holznutzung aus Naturschutzgr\u00fcnden nicht zul\u00e4ssig oder nicht zu erwarten ist, liegt bundesweit bei gerade 149.660 Hektar (= 1,4 % der Gesamtwaldfl\u00e4che). Nach den offiziellen Zahlen des Bundesamtes f\u00fcr Naturschutz umfasst die Fl\u00e4che der tats\u00e4chlich dauerhaft nutzungsfrei gesch\u00fctzten W\u00e4lder lediglich 213.145 Hektar (= 1,9 % der Gesamtwaldfl\u00e4che), wovon etwa drei Viertel der erhobenen Einzelfl\u00e4chen eine Gr\u00f6\u00dfe von unter f\u00fcnf Hektar aufweisen.<\/p>\n<p>Die Zahlen machen deutlich, dass sich die strategischen Ziele zur Sicherung und Erhaltung der Biodiversit\u00e4t im Deutschlands W\u00e4ldern durch die derzeitigen, auf Intensiv-Holznutzung ausgerichteten Bewirtschaftungskonzepte nicht realisieren lassen. Bestehende Programme zur Tot- und Biotopbaum-Anreicherung zielen offensichtlich ins Leere und haben allenfalls waldkosmetischen Charakter. Das \u201eSch\u00f6nreden\u201c der Waldzust\u00e4nde von Politikern und Interessenvertretern der Forst- und Holzindustrie muss endlich aufh\u00f6ren!<\/p>\n<p>Angesichts dieser eklatanten, nicht mehr wegzudiskutierenden Defizite, die sich mittlerweile auch landauf und landab sichtbar in vielen Waldbildern niederschlagen, fordern wir von den offiziellen Stellen endlich eine schonungslose Bestandsaufnahme und daraus abgeleitet, einen dringend notwendigen Paradigmenwechsel in der zuk\u00fcnftigen Waldpolitik unseres Landes sowie eine komplette Kehrtwende in der forstlichen Praxis hin zu mehr echter Naturn\u00e4he im deutschen und hier vor allem im \u00f6ffentlichen Wald!<\/p>\n<p><strong>Unsere Forderungen und Ziele<\/strong><\/p>\n<p>Generell: Reduzierung des Holzkonsums (-Deutschland ist weltweit drittgr\u00f6\u00dfter Holzverbraucher bei einem Bev\u00f6lkerungsanteil von nur 1 %!). Vor allem: Drosselung der auf Zellulosegewinnung basierenden Papierproduktion, auch um die borealen W\u00e4lder Europas zu erhalten. Steigerung der Recyclingquote von Papier und Bauholz. Angemessene In-Wertsetzung des Rohstoffes Holz.<\/p>\n<p>Sofortiger Exportstopp f\u00fcr Holz aus \u00f6ffentlichen W\u00e4ldern.<\/p>\n<p>Die industriem\u00e4\u00dfige, energetische Nutzung von Holz aus W\u00e4ldern muss drastisch eingeschr\u00e4nkt und auf Restholz- und S\u00e4gewerkabf\u00e4lle beschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n<p>Ein weiterer Ausbau von Windenergieanlagen in W\u00e4ldern ist abzulehnen und daher grunds\u00e4tzlich zu verbieten. Alle M\u00f6glichkeiten sind auszusch\u00f6pfen und neue zu nutzen, um die Energiewende au\u00dferhalb des Waldes zu forcieren.<\/p>\n<p>Einrichtungen f\u00fcr Sport, Erholung und Tourismus im Wald m\u00fcssen mit ihren Auswirkungen erfasst und so gebaut und unterhalten werden, dass sie waldvertr\u00e4glich sind.<\/p>\n<p>Die Holzgewinnung im Wald muss ent-industrialisiert werden, mit stark reduziertem Maschineneinsatz (sprich: sanften Betriebstechniken), reduzierten Wirtschaftswegen und R\u00fcckegassen.<\/p>\n<p>Ein grundlegender Wertewandel bei der zuk\u00fcnftigen Behandlung von W\u00e4ldern muss stattfinden: Die Schutz- und Erholungsfunktion von \u00f6ffentlichen (staatlichen) W\u00e4ldern muss bundesrechtlich und in den Landeswaldgesetzen zuk\u00fcnftig absoluten Vorrang haben. Bewirtschaftungsstandards f\u00fcr die so genannte \u201eordnungsgem\u00e4\u00dfe\u201c Forstwirtschaft m\u00fcssen klar definiert werden und zuallererst den Schutz bzw. die \u00f6kologische Nachhaltigkeit des \u00d6kosystems (anstelle der \u201eNachhaltigkeit der Holzmengen\u201c!) zugrunde legen. Die Standards (Stichwort: Gute fachliche Praxis) sind als Mindestforderungen einer umwelt- und \u00f6kologie-gerechten Waldwirtschaft f\u00fcr alle W\u00e4lder im Bundeswaldgesetz zu verankern.<\/p>\n<p>Wir wenden uns dagegen, W\u00e4lder als Spekulationsobjekte zu missbrauchen. Der Verkauf von \u00f6ffentlichen Waldfl\u00e4chen an private Investoren ist grunds\u00e4tzlich zu verbieten.<\/p>\n<p>Insbesondere die Bewirtschaftung der \u00f6ffentlichen (staatlichen) W\u00e4lder folgt zuk\u00fcnftig fl\u00e4chendeckend dem \u201eProzessschutz\u201c- bzw. Minimum-Prinzip in Anlehnung an das\u00a0 (bereits seit \u00fcber 20 Jahren erfolgreich praktizierten) \u201eL\u00fcbecker Modell\u201c; dadurch St\u00e4rkung der Vorbildwirkung \u00f6ffentlicher (staatlicher) W\u00e4lder. Dies bedeutet:<\/p>\n<ul>\n<li>Auswahl der Baumarten auf der Grundlage der potenziellen nat\u00fcrlichen Vegetation ohne Fremdholzanteile<\/li>\n<li>kontinuierliche Erh\u00f6hung des Holzvorrats auf mindestens 500 m\u00b3 je Hektar (in Laubw\u00e4ldern und langfristig in umgebauten Waldbest\u00e4nden) und damit Erh\u00f6hung der Kohlenstoffspeicher von W\u00e4ldern<\/li>\n<li>Einrichtung von nutzungsfreien Referenzfl\u00e4chen, drastische Reduzierung der Pflege- und Durchforstungseingriffe<\/li>\n<li>Verkleinerung der Reviereinheiten (mit entsprechender Personalaufstockung)<\/li>\n<li>Vergr\u00f6\u00dferung der R\u00fcckegassenabst\u00e4nde, Reduzierung des Wegebaues<\/li>\n<li>keine Durchforstungs- und Holzerntema\u00dfnahmen in den rechtlich festgelegten Schonzeiten<\/li>\n<li>das Prinzip des \u201eminimalen Einsatzes\u201c bedeutet auch, dass dem Wald eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Freiheit zur biologischen Eigenregulation gelassen wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Konsequenter Umbau der heutigen, auf potenziellen Laubwald-Standorten stockenden, Nadelholz-dominierten Forstbest\u00e4nde sowie k\u00fcnstlich angelegter Laubholzkulturen in naturnah entwickelte Laubmischw\u00e4lder (siehe oben), die weitgehend der Baumartenzusammensetzung der potenziellen nat\u00fcrlichen Waldvegetation entsprechen und sich durch Naturverj\u00fcngung und nat\u00fcrliche Sukzession dem Wandel von Klima und Umwelt anpassen.<\/p>\n<p>Deshalb: Schluss mit risikoreichen Nadelholz-Experimenten und mit Pflanzungen von z\u00fcchterisch oder genetisch optimierten B\u00e4umen!<\/p>\n<p>Der Umbau im Privatwald ist durch staatliche F\u00f6rderprogrammen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Auch zur Umsetzung der Biodiversit\u00e4tsziele wird eine Umstellung auf standort- und naturschutzgerechte Laubmischwald-Bewirtschaftung (Buche\/ Eiche\/ Edellaubholz\/ Tanne etc.) mit hohem Anteil an starken stehenden und liegenden Toth\u00f6lzern sowie B\u00e4umen der Alters- und Zerfallsphase angestrebt. Historisch alte Wald-Standorte mit langer Habitat-Tradition, mit entsprechenden Habitatb\u00e4umen, Waldbiotopen und Altwaldstrukturen sind generell komplett aus der Nutzung zu nehmen und besonders zu sch\u00fctzen. Im Privatwald soll dies durch F\u00f6rderanreize unterst\u00fctzt werden. Bundesweite Einf\u00fchrung eines Honorierungssystems zur gezielten Sicherung der waldbezogenen, biologischen Vielfalt (\u201eUrwald-Pr\u00e4mie\u201c).<\/p>\n<p>Die Schalenwildbest\u00e4nde m\u00fcssen so massiv reduziert werden, dass sich W\u00e4lder wieder ohne Wildschutzz\u00e4une oder Einzelschutzma\u00dfnahmen regenerieren k\u00f6nnen. Das Jagdrecht ist zu \u00e4ndern: Anstelle der Hege- und Troph\u00e4enjagd ist ein staatlich gelenktes wald- und populations\u00f6kologisch orientiertes Wildtiermanagment einzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Zur konsequenten Umsetzung der vorgenannten Management-Ma\u00dfnahmen im staatlichen Wald sind die administrativen Rahmenbedingungen zu \u00e4ndern bzw. zu optimieren: Die staatlichen Forstbetriebe werden in die Landesverwaltungen zur\u00fcckgef\u00fchrt und gem\u00e4\u00df der ge\u00e4nderten Aufgabenschwerpunkte (\u201eWald vor Holz\u201c \u2013 \u201eWald vor Wild\u201c) in neue, den staatlichen Umweltressorts zugeordnete Organisationseinheiten eingegliedert sowie durch naturschutzfachlich und umweltp\u00e4dagogisch ausgebildetes Personal aufgestockt.<\/p>\n<p>Betriebsplanungen im \u00f6ffentlichen Wald und Schutzkonzepte m\u00fcssen durch \u201eechte\u201c B\u00fcrgerbeteiligungsverfahren transparent gemacht werden (partizipativer Absatz). Im Landes- und Kommunalwald sind \u201eBeir\u00e4te\u201c aus Naturschutzvertretern und sachkundigen B\u00fcrgern zu bilden, die bei allen Planungen ein Kontroll- und Mitentscheidungsrecht aus\u00fcben.<\/p>\n<p>Weitere rund 500.000 Hektar Waldfl\u00e4chen sind zeitnah bundesweit gem\u00e4\u00df der Zielforderungen der Biodiversit\u00e4tsstrategie ganz aus der forstlichen Nutzung zu nehmen, d. h. der nat\u00fcrlichen Wildnisentwicklung zu \u00fcberlassen. Als erster Schritt werden die bislang \u201ekonventionell\u201c genutzten W\u00e4lder in bereits bestehenden Naturschutzgebieten und Natura 2000-Gebieten nicht mehr bewirtschaftet.<\/p>\n<p>In geeigneten gro\u00dfen Waldgebieten sind nach dem Vorbild des US-amerikanischen \u201eWilderness Act\u201c so genannte Wildnis-Erlebnisgebiete einzurichten. Parallel dazu sind umweltp\u00e4dagogische Angebote (f\u00fcr Kinderg\u00e4rten, Schulen, Freizeiteinrichtungen) verst\u00e4rkt zu entwickeln.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Sicherung des Weltnaturerbes der deutschen Buchenw\u00e4lder ist ein bundesweit einheitliches Verbundkonzept mit ausreichend gro\u00dfen Schutzfl\u00e4chen auszuweisen. Bis zur Umsetzungsphase sollten s\u00e4mtliche Holzerntema\u00dfnahmen in \u00fcber 140-j\u00e4hrigen Buchenbest\u00e4nden ausgesetzt werden.<\/p>\n<p>Einrichtung eines bundesweiten fl\u00e4chendeckenden Biomonitoring-Netzwerks im Wald, Neuausrichtung der Bundeswaldinventur nach \u00f6kologischen Kriterien.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Panek, N. (2016): Der deutsche Wald im Spiegel der Bundeswaldinventur (BWI\u00b3) \u2013 Ergebnisse, Entwicklungstrends, offene Fragen aus Sicht des Naturschutzes, im Auftrag von Greenpeace e. V., Hamburg.<\/p>\n<p>Panek, N. (2017): Die Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur (BWI\u00b3) aus Naturschutzsicht \u2013 Alles im \u201egr\u00fcnen\u201c Bereich?, Naturschutz und Landschaftsplanung 49 (1): 28 \u2013 30.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manifest zum Wald in Deutschland Die Mitglieder der\u00a0BundesB\u00fcrgerInitiative WaldSchutz\u00a0beobachten die Entwicklung in den deutschen W\u00e4ldern mit gr\u00f6\u00dfter Besorgnis. Diese Entwicklung wird derzeit gepr\u00e4gt von einer unter dem Deckmantel \u201eNachhaltigkeit\u201c massiv zunehmenden Industrialisierung unserer \u00f6ffentlichen W\u00e4lder. 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